Hahn vs. Flasche - Ein erfrischender Vergleich

Wasser ist die Grundlage allen Lebens – gerade deshalb ist es notwendig, bewusst darüber zu entscheiden, wie wir heute und in der Zukunft mit dieser wichtigsten und zugleich immer knapperen Ressource umgehen. Der menschliche Körper besteht zu durchschnittlich 65 % aus Wasser und für jeder von uns sollte mindestens 2,5 Liter davon am Tag trinken. Damit ist Wasser auch das Lebensmittel, von dem wir die größte Menge konsumieren. Und hier stellt sich die Frage: Wie trinken wir eigentlich unser Wasser?

Wasser Vergleich

Fest steht: Zunehmend aus Flaschen. Seit 1970 stieg der jährliche Pro-Kopf-Konsum von verpacktem Mineral- und Heilwasser in Deutschland von 12,5 Litern auf ganze 149 Liter im Jahr 2015. Dies entspricht einer Verzwölffachung der konsumierten Menge! Bei der jüngsten Datenerhebung im Jahr 2019 lag der Wert mit 141,7 Litern kaum merklich darunter.*

Weshalb aber geben die Menschen in unserem Land regelmäßig Geld für etwas aus, über das sie jederzeit frei verfügen? Schließlich könnte man von den rund 50 Euro pro Person und Jahr einem guten Freund eine kleine Freude machen und müsste dafür weder mit dem Auto zum Getränkehandel fahren noch die Wasserkästen ins Dachgeschoss schleppen.

Okay, zugegebenermaßen gibt es – wenngleich in überschaubarer Zahl – Gründe dafür, zur Flasche zu greifen. Die mehr als 500 Sorten Mineralwasser, aus denen wir im Handel wählen können, müssen per Gesetz direkt an der Quelle ausgewählt werden. Dadurch kann der Abfüller die natürliche Reinheit des Wassers garantieren, Schadstoffe aus alten Wasserleitungen spielen hier keine Rolle. Auch nimmt Mineralwasser - der Begriff verrät es bereits – auf dem Weg durch die Gesteinsschichten verschiedene Mineralstoffe auf und wird dabei von der Natur selbst gereinigt und gefiltert. Für bestimmte Personengruppen mag dies von Vorteil sein. Laktoseintolerante Menschen beispielsweise, die kein Kalzium über Milchprodukte aufnehmen können, profitieren von dem relativ hohen Kalziumgehalt der meisten Mineralwasser. Und: Das Image macht‘s. Wir verbinden mit erfolgreichen Wasser-Marken idyllische Berglandschaften, bekannte Sportevents und charakteristische Flaschenformen. Das kann Leitungswasser nicht.

Dennoch bin ich überzeugt, dass für die meisten von uns Leitungswasser die bessere Wahl ist.

Leitungswasser ist nachhaltig. Anders als die über eine Milliarde Liter stilles Mineralwasser, die jedes Jahr über deutsche Ladentheken gehen, muss es nicht in Flaschen abgefüllt werden. Es werden also weder für das Material noch für den Produktionsprozess von Flaschen Energie und Rohstoffe benötigt, auch das stromaufwendige Abfüllen selbst entfällt. Und ebenso wenig, wie Flaschen abgefüllt werden müssen, müssen sie wieder gereinigt werden. Auch hier können wieder riesige Wassermengen eingespart und auf Chemikalien verzichtet werden.

Leitungswasser muss, wie auch Mineralwasser, transportiert werden. Doch geschieht dies über Rohre und Leitungen, nicht über die Straße – die beim Leitungswassertransport entstehenden CO2-Belastungen sind im direkten Vergleich marginal.

Leitungswasser spart Platz. Es müssen keine trostlosen Lagerhallen in die Landschaft gebaut, beleuchtet und beheizt werden, stattdessen wartet unser Leitungswasser meist gut versteckt unter der Erde auf seine Verbraucher.

Leitungswasser hinterlässt keine PET-Flaschenberge in unserer Natur.

Vor allem aber ist das Leitungswasser hierzulande von hervorragender Qualität! Das liegt vor allem daran, dass die öffentlichen Wasserversorger ihr Wasser mehrmals täglich auf Keime etc. kontrollieren und strengeren gesetzlichen Vorschriften folgen müssen als kommerzielle Abfüller. Die Grenzwerte für Uran und Pestizide liegen bei Leitungswasser z.B. über denen von Mineralwasser. So kommt es auch, dass die Stiftung Warentest bei der Untersuchung von 28 Wasserproben aus deutschen Gemeinden keinerlei Schadstoffwert-Überschreitung z.B. für Glyphosat, Arzneimittelrückstände, Blei oder Arsen feststellen konnte. Unser Leitungswasser ist demzufolge auch für die Ernährung von Säuglingen geeignet und weltweit unter den Spitzenreitern. Auch der Bericht des Gesundheitsministeriums und des Umweltbundesamts vom April 2018 attestiert dem Wasser der größeren deutschen Trinkwasserversorger eine „gute bis sehr gute Qualität“.

Überraschend kommt hinzu, dass der Mineralgehalt dessen, was direkt aus dem Wasserhahn kommt, häufig sogar über dem verschiedener Mineralwasser aus der Flasche liegt. Diese Tatsache hängt mit der durchschnittlichen Zusammensetzung unseres Leitungswassers zusammen – der Großteil dessen ist nämlich, wie beim Verwandten aus der Flasche, Grund- und Quellwasser (70 %). Außerdem sind See-, Talsperren- und Flusswasser (13 %) und Grundwasser-ähnliches, durch den Boden oder das Ufer filtriertes Oberflächenwasser enthalten.

Wer also zuhause stilles Wasser in hoher Qualität genießen möchte, muss eigentlich (!) lediglich den Hahn aufdrehen. Und wer es sprudelig mag, der findet im Handel diverse Produkte, die sein Leitungswasser zum Prickeln bringen. Vorsicht ist dennoch geboten. Denn während das Wasser bis zum Hausanschluss ständig kontrolliert wird, so stehen die Leitungen innerhalb der Häuser nicht unter staatlicher Aufsicht. So verfügen insbesondere unsanierte Altbauten noch immer teilweise (wenngleich immer seltener) über Rohre aus Kupfer oder Blei, wie sie bis in die 1960er Jahre hinein häufig installiert wurden. Diese können die Wasserqualität erheblich beeinträchtigen.

Wer also absolute Sicherheit möchte, der sollte sich an das Gesundheitsamt wenden und das Wasser aus dem heimischen Hahn testen lassen. Bleianalysen kosten gewöhnlich weniger als 20 Euro, bei Kleinkindern oder Schwangeren im Haushalt sind sie oftmals gratis. Sollten grenzüberschreitende Werte festgestellt werden, so ist der Vermieter dazu verpflichtet, die hauseigenen Wasserleitungen auf eigene Kosten austauschen zu lassen. Spätestens dann steht dem bedenkenlosen Trinkgenuss nichts mehr im Weg!

P.S.: Wenn du doch mal wieder Mineralwasser kaufst, dann schau doch einfach mal genauer auf seine Herkunft. Regionales Wasser bringt's auch.

Demnächst möchten wir dir noch mehr über unser Wasser berichten. Zum Beispiel darüber, wie gut das Leitungswasser in der Region Berlin ist. Aus der Hauptstadt stammt auch ein spannendes Trinkwasser-Projekt, das mittlerweile deutschlandweit aktiv ist. Und was hat es eigentlich mit dem „virtuellen Wasser“ auf sich?Quelle